100-Millionen-Pfund-Projekt liegt auf Eis
Noch Anfang 2025 war die Hoffnung groß: In Ashford in der Grafschaft Kent sollte eine neue Firmenzentrale samt Produktionsstätte entstehen. Bis zu 2.500 Arbeitsplätze und Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Pfund standen im Raum.
Nun zieht Brompton die Reißleine. CEO Will Butler-Adams begründet den Schritt laut Manager Magazin mit der ausbleibenden, nachhaltigen Markterholung. Man halte grundsätzlich an dem Projekt fest, passe den Zeitpunkt jedoch den aktuellen Marktbedingungen an.
Absatz rückläufig, Verlust gestiegen
Die Zahlen zeigen, wie angespannt die Lage ist: Im Geschäftsjahr 2024/25 sank der Absatz um 7,5 Prozent auf 78.530 verkaufte Falträder – bereits das dritte Jahr in Folge mit rückläufigen Verkaufszahlen.
Der Nettoverlust verdoppelte sich nahezu auf rund 2,1 Millionen Pfund. Zwar blieb der Umsatz mit 121,5 Millionen Pfund dank höherpreisiger Modelle stabil, doch steigende Finanzierungskosten, Investitionen in Technologie sowie Restrukturierungsaufwendungen belasteten das Ergebnis deutlich.
Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 40 Stellen abgebaut. Insgesamt beschäftigt Brompton weltweit rund 800 Mitarbeitende.
E-Bikes, Gravel und Direktvertrieb als Hoffnungsträger
Strategisch setzt das Unternehmen lünftig auf mehrere Hebel:
- Premium- und E-Modelle: Die Nachfrage verschiebt sich laut Unternehmensführung klar in Richtung hochwertiger elektrischer Falträder.
- Neue G-Linie: Mit einem Modell mit größeren Laufrädern will Brompton am Gravel-Trend partizipieren. Die Baureihe steuert bereits rund zehn Prozent zum Umsatz bei. Hier geht’s zu unserem Testbericht zur Brompton G-Line.
- Direktvertrieb: Mehr als ein Viertel des Umsatzes wird inzwischen direkt mit Endkundinnen und -kunden erzielt – ohne den Fachhandel komplett zu umgehen.
Auch das Miet- und Abo-Geschäft wächst stark. Über 30.000 Kundinnen und Kunden nutzen entsprechende Angebote, insbesondere in Deutschland und Frankreich verzeichnet Brompton Zuwächse.
Starke Abhängigkeit von China
International ist Brompton längst breit aufgestellt – rund 80 Prozent der Produktion gehen in den Export. Besonders wichtig ist der chinesische Markt, der inzwischen mehr als ein Viertel des Umsatzes ausmacht.
Während das Unternehmen zuletzt seine Stores in New York und Washington schloss, expandiert es in China weiter. Diese strategische Schwerpunktverlagerung unterstreicht die zunehmende Bedeutung des asiatischen Marktes für die Briten.
Symbolkraft für die Branche
Dass selbst eine traditionsreiche Kultmarke wie Brompton in wirtschaftliche Turbulenzen gerät, verdeutlicht die Tiefe der aktuellen Branchenkrise. Nach dem Corona-Boom kämpfen viele Hersteller mit Überkapazitäten, zurückhaltender Nachfrage und Margendruck.
Ob der Mix aus Premiumstrategie, Elektrifizierung, Direktvertrieb und Abo-Modellen Brompton nachhaltig zurück in die Gewinnzone führt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Krise hat längst auch die vermeintlich robusten Nischenplayer erreicht.
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