Die Velofollies gilt längst als einer der wichtigsten Saisonauftakte der europäischen Fahrradwelt. Jedes Jahr im Januar verwandelt sich Kortrijk in Belgien in einen Treffpunkt für Hersteller, Distributoren, Medien und Bike-Enthusiasten aus ganz Europa. 2026 präsentierte sich die Messe kompakt, intensiv besucht und voller Aufbruchsstimmung: volle Hallen, fachkundiges Publikum, kurze Wege und eine spürbar positive Grundenergie. Statt Krisenmodus dominierte Optimismus – mit Fokus auf Innovation, neue Antriebskonzepte, urbane Mobilität und technische Details, die den Unterschied machen.
Und jetzt geht’s los: Hier kommen unsere urbanen Highlights der Velofollies 2026 – visuelle Eindrücke, spannende Konzepte und technische Ideen, die im Messealltag herausgestochen sind und zeigen, wohin sich urbane Mobilität und moderne E-Bike-Technik gerade entwickeln.
Neue Falträder von Ahooga
Mit einer komplett neu entwickelten Plattform schickt die belgische Marke vier ultraleichte Falträder ins Rennen – zwei analoge A-MAX und zwei elektrische E-MAX Varianten, jeweils wahlweise mit Ketten- oder Nabenschaltung. Alle Modelle setzen auf einen steifen Aluminiumrahmen mit BMX-inspirierter Geometrie, 20-Zoll-Laufräder und ein extrem kompaktes Faltmaß von 72 × 69 × 37 cm. Das Gewicht reicht von rund 13 kg (analog) bis etwa 18 kg bei den E-Bikes, das maximale Systemgewicht liegt bei 120 kg. Die E-MAX Modelle kommen mit einem neuen Frontnabenmotor (250 W, 35 Nm), integriertem 248-Wh-Akku, optionalem Range Extender und Reichweiten von bis zu 60 bzw. 100 km. Zur Serienausstattung zählen hydraulische Scheibenbremsen, Schutzbleche und integrierte Beleuchtung, neu ist unter anderem ein nahtlos integrierter Frontprojektionsscheinwerfer. Preise: 1.799–1.999 € (A-MAX) und 2.999–3.499 € (E-MAX, UVP).
Mehr Infos: www.ahooga.bike
Topeak Turboflow: Neues Ventilsystem für schnelleres Aufpumpen
Am Topeak-Stand ging es um ein Thema, das aktuell bei vielen Herstellern ganz oben auf der Innovationsliste steht: Ventile. Mit dem neuen Turboflow Valve Kit zeigt Topeak eine Lösung, die den Luftdurchsatz beim Aufpumpen von Tubeless-Reifen deutlich erhöht und gleichzeitig weniger anfällig für verklebte Ventilkerne durch Dichtmilch sein soll. Möglich macht das ein offenes Ventildesign mit bis zu dreifach höherem Luftfluss, was das Aufpumpen spürbar schneller und leichter machen soll. Die Ventile sind in 45, 60 und 80 mm Länge für unterschiedliche Felgenhöhen erhältlich und vollständig mit gängigen Presta-Pumpenköpfen kompatibel, besonders effizient in Kombination mit dem neuen RapidHead-Pumpenkopf. Ergänzend dazu gibt es Adapter, mit denen sich bestehende Schläuche oder Tubeless-Ventile durch einfachen Austausch des Ventilkerns nachrüsten lassen.
Spannend ist das vor allem im Kontext des aktuellen Ventil-Trends: Ähnlich wie beim Schwalbe Clik Valve geht es auch hier darum, das Aufpumpen einfacher, sauberer und performanter zu machen – weniger Fummelei, höherer Luftdurchsatz und mehr Alltagstauglichkeit, gerade bei Tubeless-Setups.
Mehr Infos: www.topeak.com
Ellio S-Pedelec: Allradpower für urbane Abenteuer
Am Stand von Ellio wurde es technisch – und ziemlich eindrucksvoll. Die belgische Marke zeigt ein allradgetriebenes S-Pedelec, das bis 45 km/h unterstützt und konsequent auf Automatik setzt. Das Konzept: Ein Nabenmotor treibt das Vorderrad direkt an, während das Hinterrad sowohl über die Pedale als auch über einen Mittelmotor arbeitet. Eine zentrale Steuerung verteilt die Antriebskraft intelligent zwischen Vorder- und Hinterrad, geschaltet wird nicht mehr klassisch, stattdessen legen Fahrerinnen und Fahrer lediglich ihre gewünschte Trittfrequenz fest. Auch spannend: Das Antriebssystem nutzt gleich zwei Riemen.
Laut Ellio wurden bereits rund 1.500 Räder verkauft, und Testfahrten sollen regelmäßig für Begeisterung sorgen. Zu den weiteren Besonderheiten zählen eine ausgefeilte Kinematik, eine gefederte Sattelstütze, kompakte Laufräder sowie der spürbare Zugewinn an Traktion und Sicherheit durch den Allradantrieb. Preislich startet das Ellio bei rund 7.000 Euro.
Mehr Infos: www.rideellio.com
Origine Help E-Gravel M2: Leichtes E-Gravel aus Frankreich
Am Stand von Origine ging es leiser, leichter und sehr fokussiert zur Sache. Mit dem Help E-Gravel M2 zeigt der französische Direktvertriebshersteller ein E-Gravelbike, das laut eigener Aussage konsequent als „echtes Fahrrad mit Unterstützung“ gedacht ist. Angetrieben wird das Modell vom leichten Mahle-X20-System mit 250-Wh-Akku, das unauffällig integriert ist und das Bike auch ohne Motorunterstützung gut handhabbar halten soll. Origine positioniert das Help E-Gravel als robusten Begleiter für anspruchsvolle Gravel-Touren über Wurzeln, Schlamm, Steine und lange Schotterpassagen – zugleich soll es sich aber auch als sportlicher Commuter eignen. Typisch für Origine wird das Bike im Direktvertrieb angeboten, inklusive vielfältiger Customfarben und Konfigurationsmöglichkeiten. Preislich startet das Help E-Gravel M2 laut Hersteller bei 3.656 Euro.
Mehr Infos: www.origine-cycles.com
Reany C1: Kompaktes E-Bike für den urbanen Alltag
Am Reany-Stand drehte sich alles um urbane Mobilität auf kompaktem Raum. Das C1 Kompaktbike wird laut Hersteller als leichtes, wendiges E-Bike für den Alltag positioniert, das sich einfach durch die Stadt manövrieren und problemlos in Wohnungen oder Büros heben lassen soll. Mit einem Gewicht von rund 17,8 kg, einem herausnehmbaren 360‑Wh-Akku und einem 250‑W-Heckmotor mit 38 Nm Drehmoment arbeitet das C1 mit einem abgedichteten Drehmomentsensor, der die Unterstützung an die Trittbewegung anpasst. Für Komfort sorgen ein leiser Carbon-Riemenantrieb, gefederte Sattelstütze, ergonomischer Sattel und 20-Zoll-Reifen mit Pannenschutz.
Das integrierte IPS-Display zeigt Geschwindigkeit, Akkustand und Fahrinformationen, während Front- und Rücklicht sowie Schutzbleche im Rahmendesign versteckt sind. Optionales modulares Zubehör – von Gepäckträgern über Körbe bis hin zu App-Konnektivität – soll das C1 flexibel für unterschiedliche Alltagsszenarien machen. Laut Hersteller eignet sich das Bike für Fahrer zwischen 155 cm und 190 cm Körpergröße bei einem Maximalgewicht von 120 kg, die Reichweite soll bis zu 80 km betragen.
Mehr Infos: www.reanybikes.com
Conway Nyon Adventure und neue Contec Bikepacking Taschen in Farbe
Am Stand von Conway drehte sich alles um lange Touren, flexible Allroad-Abenteuer und praktische Transportlösungen. Das Nyvon Adventure E-Gravelbike wird vom Hersteller als sportives Allroad-Bike positioniert, das die Vorteile eines leichten Gravels mit E-Bike-Unterstützung kombiniert. Angetrieben wird es vom Bosch SX-System mit bis zu 55 Nm Drehmoment, optional lässt sich die Akkukapazität per Range-Extender von 400 Wh auf 650 Wh erhöhen. Der Vollcarbon-Rahmen mit definierter Flexgabel, integriertem Vorbau und sauber versteckten Kabeln soll laut Conway langstreckentaugliche Geometrie mit Komfort verbinden.
Für die Tourenpraxis gibt es zahlreiche Aufnahmepunkte für Trinkflaschen, Packtaschen oder Zubehör, dazu ein starkes Frontlicht ab Werk. Neu auf der Messe waren auch die Contec Bikepacking Taschen in Farbe, die speziell für das Nyvon Adventure entwickelt wurden und das Bike als Touring-Plattform ergänzen. Laut Hersteller bietet das Rad so sowohl für längere Abenteuer als auch für den täglichen Einsatz hohe Flexibilität.
Mehr Infos: www.conway-bikes.com
Cinelli Tutto Mini: Kompaktes Spaß-Bike mit neuem Lack
Am Cinelli-Stand durfte man wieder ein kleines Dauergrinsen erleben: das Tutto Mini ist zwar nicht neu, sorgt aber jedes Mal für Aufmerksamkeit. Laut Hersteller ist das kompakte Rad eine Mischung aus urbanem Single-Speed, BMX-Spaß und Gravel-Freiheit – alles verdichtet in einem kleinen, vielseitigen Bike, das sich schnell auspacken und losfahren lässt. Der Stahlrahmen aus Columbus Cromor, die Vintage-MTB-Gabel, verstellbare Ausfallenden für unterschiedliche Antriebsarten und die zahlreichen Ösen für Taschen oder Gepäck sollen das Tutto Mini laut Cinelli besonders flexibel machen.
Für 2026 gibt es die neue Mutant Silver-Farbvariante, die eine Mischung aus klassischen Bootleg-Schwarz-Elementen und modernem Silber darstellt. Laut Hersteller vermittelt das kleine Bike dabei nicht nur einen verspielten, urbanen Look, sondern soll auch als robuster Begleiter für die Stadt und kleine Abenteuer dienen. Mit Schnellverschluss-Sattelstütze und kompakter Geometrie lässt es sich außerdem schnell transportieren oder zerlegen, sodass der Spaß wirklich überall hin mitgenommen werden kann.
Mehr Infos: www.cinelli-milano.com
Und hier noch ein paar spannende Highlights, aus dem Highlight-Rundgang der Kollegen von MTB-News.de. Den kompletten Highlight-Artikel findest du hier: Velofollies 2026: 12 Highlights – 32 Zoll-Bikes, DJI-Power & Flugzeug-Alu
Chiru Bikes: Titan-Spezialisten für die Langstrecke
Auf der Velofollies zeigt die französische Marke Chiru Bikes, dass Titan mehr ist als nur edles Rahmenmaterial. Mit einer Auswahl von 15 Modellen – laut eigenen Angaben einem der größten Titan-Sortimente weltweit – deckt Chiru das gesamte Spektrum von Road über Gravel bis hin zu MTB ab.
Im Gespräch erklärte Pierre-Arnaud Le Magnan, dass hinter jedem Modell eine Geschichte steckt; eines der Bikes hat er beispielsweise für das Silk Road Mountain Race entwickelt und dort selbst getestet, um danach die Erfahrungen direkt in die Serienproduktion einfließen zu lassen. Der Fokus liegt dabei auf einer Balance zwischen Komfort und effizienter Kraftübertragung.
Technische Finessen und Flexibilität
Chiru verwendet keine runden Rohre, um so das Beste aus dem Material herauszuholen: Um den vertikalen Flex (Komfort) zu maximieren und gleichzeitig die laterale Steifigkeit zu wahren, verwendet Chiru ovale und speziell geformte Rohre.
- Horizontale Kettenstreben: Chiru nutzt flach geformte Kettenstreben für zusätzliche vertikale Nachgiebigkeit.
- Kabel-Management: Beim Bikepacking-Einsatz wird meist auf externe Kabelführung gesetzt. Die Rahmen sind jedoch flexibel konzipiert, erlauben auch interne Kabelführung und sind auch mit DI2 und AXS kompatibel.
Highlights: Kegeti und Highlander
Neu im Rampenlicht steht das Kegeti, ein Abenteuer-Bike, das auf der Messe erstmals in einer Version mit Pinion-Getriebe präsentiert wurde. Es verfügt über einen speziellen Titan-Lenker (ähnlich der Surly Corner Bar) und eine Monocoque-Titan-Gabel, die eine Reifenfreiheit von bis zu 3,0 Zoll bietet. Für technisch anspruchsvollere Strecken wie den Highland Trail in Schottland hat Chiru das Highlander im Angebot – ein Mountainbike mit 120 mm Federweg und einer Geometrie, die speziell auf die Nutzung mit Aufliegern und einer aufrechten Sitzposition optimiert ist.
Verfügbarkeit
Trotz Titan als Material und der sechs verfügbaren Rahmengrößen sind die Wartezeiten moderat. Chiru hält ständig rund mehrere hundert Rahmen auf Lager, was eine Lieferung innerhalb von zwei bis drei Wochen ermöglicht. Ein Rahmenset startet preislich bei etwa 2.800 Euro.
Mehr Infos: Chiru Bikes
AGU Commuter Impact Suit: Maximale Sicherheit für Ganzjahres-Pendler
Der niederländische Bekleidungsspezialist AGU hat neu den Commuter Impact Suit vorgestellt. Diese neue Regen-Kombi aus Jacke und Hose wurde gezielt für die wachsende Zahl von S-Pedelec-Fahrern und Pendlern entwickelt, die auch bei widrigen Bedingungen sicher an ihr Ziel kommen wollen.
Vom „schwarzen Loch“ zur ISO-Zertifizierung
Die Entwicklung begann mit der Erkenntnis, dass rein schwarze Regenbekleidung in der Dämmerung oft wie ein „großes schwarzes Loch“ wirkt. Während der niederländische Markt eher dezente Designs bevorzugt, forderte der deutsche Markt knalliges Gelb und mehr Sichtbarkeit. AGU ging für den neuen Anzug jedoch einen entscheidenden Schritt weiter und ließ das Produkt nach strengen Normen zertifizieren:
- Wasserdichtigkeit: ISO-Zertifizierung Level 3 für zuverlässigen Wetterschutz.
- Sichtbarkeit: Der Anzug erfüllt die Vorgaben für die Mindestfläche an High-Vis-Panels und eine 360-Grad-Reflektion.
Schutz-Technologie aus dem Motorradsport
Inspiriert von steigenden Unfallzahlen und Knochenbrüchen im Stadtverkehr hat AGU Elemente aus dem Motorradsport adaptiert. Der Anzug verfügt über zertifizierte Aufprallschutz-Elemente an Schultern, Ellenbogen, Hüften und Knien. Um den Schutz zu komplettieren, besteht der gesamte Anzug aus hochabriebfestem Cordura-Gewebe. Dies soll verhindern, dass der Stoff bei einem Sturz mit höherer Geschwindigkeit sofort reißt, wenn der Fahrer über den Asphalt rutscht. Trotz der robusten Bauweise soll das Material mit einer Wassersäule von 20.000 mm und einer Atmungsaktivität von 10.000 g/m²/24 h voll alltagstauglich bleiben.
Mehr Infos: www.agu.com
Velofollies 2026 Fazit
Die Velofollies 2026 zeigte einmal mehr, wie vielfältig und innovativ die Fahrradwelt aktuell ist – von ultraleichten Falträdern über kompakte City-E-Bikes bis hin zu kraftvollen Allrad-S-Pedelecs. Unsere Highlights geben nur einen kleinen Einblick in das, was Besucherinnen und Besucher auf der Messe entdecken konnten. Wer selbst Lust hat, die vorgestellten Bikes zu erleben, sollte die Chance auf Probefahrten nicht verpassen und die Webseiten der Hersteller für kommende Events besuchen.
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