Update-Hinweis: Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald es neue Informationen zu Ampler-App, Ersatzteilen, Service oder einer möglichen Übernahme gibt.
Was ist bei Ampler passiert?
Ampler Bikes OÜ hat beim Harju County Court in Estland Insolvenz angemeldet. Darüber berichtet unter anderem eBike24. Auch Netzwelt greift die Entwicklung auf.
Ganz neu ist die finanzielle Schieflage bei Ampler nicht. Bereits 2023 stieg die estnische Kõu Mobility Group bei Ampler ein. Die Marke wurde damals unter einem Dach mit Comodule, Äike und Tuul weitergeführt. Danach folgte der technische Neustart mit Modellen wie Nova und Nova Pro, über die wir bereits ausführlich berichtet haben: Ampler Nova und Nova Pro.
Warum steckt Ampler wieder in Schwierigkeiten?
Ein zentraler Auslöser soll der Berliner Showroom sein. Laut eBike24 hatte Ampler den Mietvertrag 2021 für zehn Jahre abgeschlossen. Später wurde daraus eine massive Belastung. Der Vermieter soll auf einer Vertragsstrafe von rund 1,2 Millionen Euro bestanden haben.
Das fiel in eine ohnehin schwierige Marktphase. Nach dem Corona-Boom kämpfte die E-Bike-Branche mit hohen Lagerbeständen, Kaufzurückhaltung und sinkenden Margen. Der Showroom wirkt deshalb weniger wie die einzige Ursache, sondern eher wie der Sargnagel in einem ohnehin angespannten Umfeld.
Welche Ampler-Modelle sind betroffen?
Relevant ist die Lage für ältere Modelle wie Ampler Curt, Stout, Stellar, Axel und Juna ebenso wie für die neueren Modelle Nova und Nova Pro. Wichtig ist die zeitliche Trennung: Curt, Stout, Stellar, Axel und Juna prägten Ampler vor der Restrukturierung. Nova und Nova Pro gehören zum späteren Neustart.
Gerade Nova und Nova Pro machten Ampler zuletzt wieder spannend: USB-C-Laden, 336-Wh-Akku und ein Hecknabenmotor mit 45 Nm waren starke Argumente im Segment leichter Urban-E-Bikes. Mehr zu ähnlichen Rädern findest du in unserer Übersicht zu leichten E-Bikes unter 15 kg.
Kann ich mein Ampler-E-Bike weiter fahren?
Ja. Wenn Akku, Motor, Steuerung und die mechanischen Teile funktionieren, fährt dein Ampler weiter. Die Insolvenz legt das Rad nicht automatisch still.
Der Vorteil gegenüber VanMoof: Ampler hat viele Fahrradteile nicht komplett neu erfunden. Reifen, Bremsen, Riemen, Kette, Schaltung, Sattel, Lenker, Griffe und Pedale sind vergleichsweise unkritisch. Schwieriger wird es bei Akku, Controller, Display, Kabelbaum, Sensorik, Firmware und App-Funktionen.
Wichtig ist aber die Werkstattrealität: Mechanische Arbeiten kann theoretisch jede gute Fahrradwerkstatt erledigen. In der Praxis lehnen viele klassische Händler Direktversender-Bikes oder Marken mit unsicherer Ersatzteilversorgung ab. Spezialisierte freie Werkstätten oder mobile Reparaturdienste können hier die bessere Adresse sein.
Funktioniert die Ampler-App weiterhin?
Die Ampler-App ist mehr als ein nettes Extra. Laut App-Store-Beschreibung lassen sich darüber unter anderem Standort, Einstellungen und Fahrdaten abrufen. Ampler beschreibt außerdem Connectivity-Funktionen für Generation-2-Modelle, die mit GPS- und GSM-Modulen arbeiten.
Solange App, Login und Server laufen, bleibt vieles bequem. Kritisch wird es, wenn Konten nicht mehr verwaltet werden, Firmware-Updates ausbleiben oder Server abgeschaltet werden. Deshalb solltest du deine Daten jetzt sichern.
Was sollte ich jetzt sichern?
Wenn du ein Ampler fährst, sichere am besten sofort:
- Rechnung und Kaufvertrag
- Rahmennummer und Seriennummern
- Modell, Baujahr und Ausstattung
- App-Screenshots von Bike-Profil, Kilometerstand und Softwarestand
- Servicehistorie und bisherige Reparaturen
- Akku-Zustand, Ladeverhalten und Fehlermeldungen
- Leasing-, Garantie- oder Versicherungsunterlagen
Das hilft später bei Werkstattbesuchen, Gewährleistungsfragen, Versicherungen oder einem möglichen Weiterverkauf.
Was passiert mit Ersatzteilen, Garantie und Service?
Bei normalen Fahrradteilen sieht es vergleichsweise gut aus. Reifen, Bremsen, Riemen, Kette und viele Anbauteile bleiben über den Fahrradhandel verfügbar. Kritisch sind Ampler-spezifische Teile: Akku, Controller, Display, Kabelbaum, Sensorik, Ladeelektronik und Software.
Auch bei Garantie und Gewährleistung wird es kompliziert. Ampler war lange stark als Direktversender unterwegs. Viele Kaufverträge dürften daher direkt mit Ampler geschlossen worden sein. Im Insolvenzfall hängen Ansprüche dann nicht einfach an einer lokalen Werkstatt, sondern am Vertragspartner und am Verfahren. Bei Leasing oder Versicherung kann ein anderer Ansprechpartner zuständig sein.
Ist Ampler so kritisch wie VanMoof?
Nein, die Lage ist nicht identisch. VanMoof war deutlich stärker auf Sonderteile, App-Zugriff und ein geschlossenes System ausgelegt. Genau deshalb hatten wir nach der VanMoof-Insolvenz erklärt, warum digitale Schlüssel und App-Zugriff so wichtig sind: VanMoof insolvent: So fährt dein Bike auch nach der Pleite weiter.
Ampler ist mechanisch bodenständiger. Das ist ein Vorteil. Trotzdem bleiben Akku, App, GPS, GSM, Firmware und Motorsteuerung herstellerspezifische Risikopunkte.
Gibt es Hoffnung auf eine Rettung?
Möglich ist das. Laut eBike24 soll das Management vorschlagen, die Vermögenswerte möglichst als Ganzes zu verkaufen. Für bestehende Räder wäre das die beste Lösung, weil Marke, Ersatzteile, Software und Service nicht auseinandergerissen würden.
Eine Übernahme löst aber nicht automatisch alle Probleme. Entscheidend wäre, ob ein Käufer auch App-Betrieb, Ersatzteilversorgung und Service für Bestandsräder weiterführt.
FAQ zur Ampler-Insolvenz
Kann ich mein Ampler weiter fahren?
Ja, solange Akku, Motor, Steuerung und mechanische Teile funktionieren. Die größten Risiken liegen bei Elektronik, App und Ersatzteilen.
Funktioniert die Ampler-App noch?
Aktuell gibt es keine gesicherte Meldung über eine Abschaltung. Trotzdem solltest du Bike-Daten, App-Screenshots und Seriennummern sichern.
Welche Modelle sind betroffen?
Relevant sind Curt, Stout, Stellar, Axel, Juna, Nova und Nova Pro. Je nach Modell unterscheiden sich App-Funktionen, Elektronik und Ersatzteilrisiken.
Gibt es noch Ersatzteile?
Standardteile bleiben gut verfügbar. Schwieriger wird es bei Akku, Controller, Display, Kabelbaum, Sensorik und Ladeelektronik.
Was ist mit Garantie und Gewährleistung?
Das hängt vom Kaufvertrag ab. Viele Ampler wurden direkt über Ampler gekauft. Bei Leasing, Versicherung oder Dienstrad-Modellen können andere Vertragspartner zuständig sein.
Meinung @Nimms-Rad.de
Ampler ist kein Fall von „schön gedacht, schlecht gebaut“. Genau deshalb ist die Insolvenz ärgerlich. Die Räder waren schlicht, leicht, alltagstauglich und mit Nova sowie Nova Pro zuletzt technisch wieder spannend. USB-C-Laden am E-Bike ist eine Idee, die dem Markt guttun kann.
Für dein Ampler heißt das: Ruhe bewahren, aber nicht schlafen. Die normalen Fahrradteile sind nicht das Problem. Kritisch sind Akku, Elektronik, App, Firmware und proprietäre Ersatzteile. Wer jetzt Kaufbelege, Rahmennummer, App-Daten und Servicehistorie sichert, verschafft sich später einen echten Vorteil.
Fährst du ein Ampler? Schreib uns, ob App, Service oder Ersatzteile bei dir noch funktionieren – besonders spannend sind Erfahrungen mit Akku, App-Login und freien Werkstätten.

18 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumHi, kannst du mir verraten was du für welche Elektronik eingebaut hast?
das wäre für uns alle eine Hilfe, ich überlege selbst einen Controller aus esp32 zu programmieren mit einem Display, weiß aber noch nicht was ich da für Signale vom Motor und Tretlager bekomme.
Vielen Dank
Hallo zusammen,
weiß jemand, welchen Batterietyp ich für das Ampler Curt vorsorglich benötige? Mir kommt vor, dass die Akkuleistung inzwischen auch nicht mehr so gut ist wie früher.
Also - Umbau weitestgehend erledigt. Die ersten 500 km sind auch gefahren.
Kurze Übersicht:
Teile:
Controller: von Kuteng eingebaut - zunächst extern - nun aber intern im Rahmen versteckt.
Typ: KT36/48SVPR-ffF10L - der Einzige der von der Grösse nach etwas Nacharbeit in den Rahmen
passt (üble Fummelei). Gab es bei Amazon - ist aber nun leider dort verschwunden.
Display: Kuteng KT-LCD4 (war das Kleinste Display was zu finden war)
Bei den Settings muss ich noch etwas probieren. Es gibt ein paar Pros und Contras...
Habe auch KT-LCD3 probiert - funktioniert -war mir aber zu gross.
PAS-Sensor :- no name von Amazon mit Hall-Sensor und 12 Magneten
Hub-Motor: - Habe den Original Motor von Ampler drin gelassen - Aikema ist der Hersteller,
technische Infos – leider keine :-( hier kommt dann die Probiererei bei den Settings im Display.
Dazu noch folgendes:
Diverse Kabel von Amazon, Motorstecker am Controller abgeschnitten und längeres Kabel angelötet.
Spannungswandler von Windmeile für das Licht eingebaut (48V auf 6.5V)
Mögliche Handgas - und Bremsschalter nicht eingebaut. Teste ich ggf. irgendwann später...
Rad fährt nun mit besserer Unterstützung als vorher.
Insbesondere bei Steigungen zieht das nun richtig los. Derzeit ist der Antrieb aber nicht ganz kontinuierlich. Je nach Einstellungen in den Settings zieht der Motor sehr kräftig - bei manchen Geschwindigkeiten scheint er aber stark abzufallen. Je nach Einstellungen verschiebt sich das. - wie gesagt - muss noch etwas mit den Settings spielen. Grundsätzlich läuft es erstmals.
Die hübsche App ist zwar Geschichte - dafür ist hier keine Cloud mehr nötig.
Rad ist nun so umgebaut, dass ein Extra Akku als Range Extender angeschlossen werden kann.- bei mir nicht unbedingt notwendig - habe aber noch den alten Akku der noch okay ist.
Oder wahlweise Trinkflaschen Akku kaufen...
Display nun zum Starten notwendig. - dadurch fehlt nun der Startknopf.
Da nun alle Kabel herausgeführt wurden, kann ich nun auch andere Controller extern anklemmen und testen.
Statt dem Torque - Sensor im Tretlager habe ich nun extern nur einen PAS - Sensor, der mit dem Dremel zurecht geschnitzt wurde damit er passt. (Gerüchte sagen -Torque sei besser - aber habe keine Daten und der Controller scheint das nicht zu unterstützen).
Kleine Halterung für den Controller im 3D - Drucker gedruckt. Anschluss für Ladegerät/RangeExtender neu gedruckt.
Hier noch ein paar Zusatzinfos:
1. Hersteller des Akkus scheint Fa. Keshee zu sein - melden sich leider nicht zurück um Infos zum
Laden zu erhalten. Die alte Elektronik dient aktuell noch als Ladegerät.
2. Zum Aikema Motor fehlen mir technische Daten wie die Anzahl der Magnete ( wo immer die sein sollen, aber Kuteng möchte das in den Settings wissen. Aikema ist hier auch nicht kommunikativ und meldet sich nicht zurück.
3. Die Originalentwickler des Controllers scheinen in Canada zu sitzen, Namen finde ich gerade nicht…
Einmal – Erster Test mit externem Akku im Zusatzrohr (der alte Akku der noch tut)
Dann mit internem Akku und Elektronik außen „angebunden“
Kurze Nahaufnahme und dann das fast finale Ergebnis wo der Controller in das Rohr gedrückt
wurde …
Durch die Anschluss-Stecker die nun aussen zugänglich sind kann ich auch andere Elektroniken
im Flaschenkorb verstecken und testen.
Ergebnis:
Freue mich dass es wieder tut, Betriebswirtschaftlich ist es wahrscheinlich sinnvoller den Drahtesel
in den Container zu werfen und sich etwas neueres zu kaufen ….wenn da nicht der latente Hang da wäre das eigentlich schöne Rad wieder zu beleben. Ein bisschen Freak muß man dabei jedoch schon sein.
Hier noch ein paar Bilder...
Schön gemacht @Hurz!
Freut mich, dass das schöne Rad weiter nutzbar ist.
Hast du noch Bilder vom Einbau des Controllers in den Rahmen?
Zum Akku: Innerhalb des Akkupakets (13S2P) befindet sich auch das BMS. Nach außen sieht man nur die XT60 Buchse. Legt man an die XT60 Kontakte die Ladespannung (54V) an, denn kümmert sich das im Akku integrierte BMS um das Laden, das Abschalten bei Ladeschlussspannung (überwacht werden die 2P Pakete jedes einzelnen seriellen Pakets. Sobald 4,2V anliegen bei einem der seriellen Pakete, ist Ende mit Laden) und auch das Abschalten beim Entladen (auch hier Ende bei minimaler Spannung, die an einem der seriellen Pakete anliegt).
Der Ampler Controller ist also für das Nutzen des Akkus überflüssig.
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