Die dreimonatige Laufzeit des 9-Euro-Tickets ist vorüber und die Erfolgsbilanz könnte eindeutiger nicht sein. Trotzdem hat die Politik es noch nicht geschafft, einen Nachfolger auf den Weg zu bringen. Während sich mehr oder weniger adäquate Vorschläge und kontroverse private Initiativen in den News abwechseln, taucht in Baden-Württemberg ein sensationelles 3-Euro-Ticket auf. Was es damit auf sich hat, erfährst du in unserem geupdateten Bilanz-Bericht zum 9-Euro-Ticket. [Update 21. September 2022] 

Die Einführung des 9-Euro-Tickets hat deutschlandweit für Jubel gesorgt, hatte man hierzulande doch schon immer mit vergleichsweise hohen Nahverkehrstarifen zu kämpfen. Die Verkaufszahlen zeigen, dass es viele tatsächlich ermutigt zu haben scheint, das Auto stehenzulassen und mit Bus und Bahn den Weg zur Arbeit, Kita oder Supermarkt zu beschreiten und den durch gestiegene Energiepreise geschundenen Geldbeutel sowie die Umwelt zu entlasten – wofür es ja vorrangig auch gedacht ist. Vor allem aber hat es auch viele Erholungssuchende motiviert oder es ihnen gar erst finanziell ermöglicht, Ausflüge zu unternehmen – mit oder ohne Fahrrad.

Eindeutige Erfolgsbilanz

Das Sparticket, das ursprünglich als Reaktion auf die gestiegenen Energiepreise zur Entlastung aller eingeführt wurde, hat klare und unumstrittene Fakten geschaffen: Etwa 52 Millionen Menschen haben das 9-Euro-Ticket gekauft. Einige davon haben sicher nicht alle, aber viele Fahrten damit, statt mit dem Auto gemacht. Das hat laut aktuellen Ergebnissen einer bundesweiten Marktforschung mit 6.000 Interviews pro Woche, die der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zusammen mit der Deutschen Bahn und den Marktforschungsinstituten Forsa und RC Research im Auftrag von Bund und Ländern durchführt, monatlich rund 600.000 Tonnen an CO2 eingespart. Das sind 1,8 Millionen in einem Quartal. Zum Vergleich: Experten zu Folge würde ein Tempolimit von 130 km/h auf der Autobahn rund 2 Millionen Tonnen Klimagase einsparen – im Jahr. Doch das ist nicht die einzige positive Folge des Spartickets. Es wurden außerdem weniger Staus gemessen, Familien sind das erste Mal seit Jahren in den Kurzurlaub gefahren, da bisherige Bahntarife ihr Budget sprengen, der Tarif-Flickenteppich der unterschiedlichen Verkehrsverbünde geriet in Vergessenheit – die Liste ist lang und unausweichlich. Und dennoch zahlen wir seit gut einer Woche wieder den vollen Preis für Fahrten im ÖPNV. Schwer verständlich.

Quelle: Instagram / @heuteshow https://www.instagram.com/p/Ch6d82CqiXF/?utm_source=ig_web_copy_link

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Monatsticket für drei Euro – wo gibt’s denn so was?

Wer hat, der kann: In Heidelberg wurde das 9-Euro-Ticket, welches bundesweit so viel CO2 eingespart hat, wie etwa 350.000 Haushalte in einem Jahr verursachen, durch ein 3-Euro-Ticket ersetzt. Das bezuschusste Ticket gilt für den ÖPNV im gesamten Stadtgebiet und wurde bereits im Juli beschlossen. Verkaufsstart war der 01. September und seitdem wurde das Abo-Ticket bereits rund 11.500 Mal verkauft. Dem ÖPNV in Heidelberg bescherte das Sparticket bereits jetzt einen Zuwachs der Verkaufszahlen von 15 %. Rund 1.500 Neukunden konnten im Stadtgebiet Heidelberg damit fürs Bahnfahren gewonnen werden.

Berliner Aktivist:innen fahren vorsätzlich ohne Ticket

Sehr schwer verständlich ist das auch für eine Gruppe von Berliner Aktivisten, die als Reaktion auf das Ausbleiben eines Nachfolgers nun einen 9-Euro-Fonds gegründet. Dieser funktioniert so, dass die Mitglieder jeden Monat neun Euro in den Fonds einzahlen und dann vorsätzlich ohne Ticket fahren. Wenn jemand dabei erwischt wird, werden die 60 Euro, die an Strafe fällig werden, aus dem Fonds bezahlt. Immerhin haben bereits rund 3.000 Mitglieder eingezahlt. Als problematisch dürfte sich allerdings die Tatsache herausstellen, dass das Fahren ohne gültigen Fahrschein in Deutschland immer noch als Straftat und nicht als Ordnungswidrigkeit gilt. Der Sticker mit der Aufschrift „Ich fahre ohne Fahrschein“ wird die Teilnehmer:innen womöglich nicht rechtssicher davor schützen.

So viel wird der Nachfolger kosten – ungefähr

Müssen wir jetzt also alle vorsätzlich eine Straftat begehen, wenn wir weiterhin zu bezahlbaren Preisen den ÖPNV benutzen und das Auto stehen lassen wollen? Jein, denn seit gestern besteht Hoffnung, dass es zumindest bald ein neues bundesweit einheitliches Ticket für den ÖPNV geben wird. Ob man es als adäquaten Nachfolger für das 9-Euro-Ticket bezeichnen kann, bleibt abzuwarten. Bislang wurde im Rahmen des neuen Entlastungspakets, das gestern von der Bundesregierung vorgestellt wurde, nur die Konzeptionierung eines Nachfolgers angekündigt. Im Beschlusspapier ist die Rede von einem Preis zwischen 49 und 60 Euro. Was das im Detail genau bedeuten mag, steht nicht im Papier. Ob es etwa gestaffelte Preise unter Berücksichtigung sozialer Gesichtspunkte geben wird oder ein Unterschied zwischen Abonnement und Einzelkauf, kann zurzeit nur spekuliert werden. Auch wird sich nicht genau darüber geäußert, wann konkret damit gerechnet werden kann. Die Rede ist lediglich von „bald“… Es bleibt also spannend!

Fahrrad & Bahn kombinieren boomt

Die Kombination von Fahrrad und Bahn scheint einen regelrechten Boom erfahren zu haben seit Einführung des Giga-Spartickets und führte vor allem in den ersten zwei Wochen, in denen obendrein noch viele Feiertage lagen, mancherorts zum Kollaps. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt und wer eine Fahrt mit der Bahn und dem Rad plant, kann sich vorab hier über die geltenden Bestimmungen zur Fahrradmitnahme im Nahverkehr des jeweiligen Bundeslands informieren, damit einer erfolgreichen Reise nichts mehr im Weg steht. Wie schade wäre es also, wenn in zwei Monaten alles vorbei wäre? Müssen wir nach Ablauf des 9-Euro-Tickets wieder zähneknirschend in den sauren Auspuff beißen oder überteuerte Bus- und Bahntickets kaufen?

9-Euro-Ticket – Was kommt danach?

Dass das 9-Euro-Ticket schon jetzt ein Erfolgsmodell ist, finden inzwischen auch einige Politiker und fordern eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets. Erste Gespräche über ein sogenanntes Klimaticket wurden bereits geführt und die Bundesregierung arbeite schon an einem Plan, das Ticket nach August in einer anderen Form fortzuführen, berichtet das Handelsblatt nach einem jüngst vorgelegten Bericht der Regierung. Darin hieße es weiter, dass der Bund bereit sei, eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets finanziell zu unterstützen. In abgewandelter Form und unter dem Namen Klimaticket solle die Attraktivität des ÖPNV weiter hochgehalten werden. Das Klimaticket würde als einheitliches Länderticket gelten, das auf Monats- und Jahresbasis erworben werden kann.

Eine Nachricht, die uns gleich doppelt freut: Zum einen scheinen Überlegungen für eine Fortsetzung schon recht weit fortgeschritten zu sein und zum andern würde man damit gleich etwas gegen den föderalistischen Flickenteppich bezüglich der geltenden Tarife und Bestimmungen im ÖPNV unternehmen. Über den genauen Preis des Nachfolgers ist noch nichts bekannt. Dietmar Bartsch von der Partei Die Linke schlug auf Twitter etwa vor, auf das 9-Euro-Ticket ein 1-Euro-Ticket folgen zu lassen:

Dietmar Bartsch auf Twitter zum Nachfolger des 9-Euro-Tickets

Quelle: Twitter / @dietmarbartsch https://twitter.com/DietmarBartsch/status/1542060834121211906

Die Verkehrsbranche sieht einer Fortführung des günstigen Monatstickets für den Nahverkehr kritisch entgegen: „Die Bundesregierung kommt aktuell schon ihren finanziellen Zusagen aus dem Koalitionsvertrag nicht nach und zudem explodieren auch in unserer Branche seit Monaten die Kraftstoff- und Energiekosten. Wenn diese Themen nicht schnellstens gelöst werden, dann diskutieren wir nicht über die Fortsetzung eines Neun-Euro-Tickets, sondern über Angebotseinschränkungen im ÖPNV ab Herbst“, so Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, gegenüber der dpa.

DB und Edeka bieten Egal-wohin-Ticket an

Angestoßen durch den Erfolg des 9–Euro-Tickets wird das aktuell das Egal-wohin-Ticket von der Edeka Gruppe und der Deutschen Bahn angeboten. Man bekommt es bei EDEKA, Marktkauf, BUDNI, nah&gut und trinkgut. Das Papier-Ticket kann nach dem Kauf auf der Bahn-Webseite in eine gültige Fahrkarte umgewandelt werden. Das Ticket kostet 39,95 Euro, gilt aber für alle Strecken deutschlandweit, egal ob Nah- oder Fernverkehr, jedoch nur eine Fahrt und nicht den ganzen Monat lang. Dieses Ticket richtet sich also mehr an Reisende, als an Pendler, die nach wie vor mit dem 9-Euro-Ticket günstiger und nicht weniger schnell an ihr Ziel kommen dürften.

Solche Supermarkttickets gab es schon häufiger. Das Besondere am Egal-wohin-Ticket ist seine lange Gültigkeit. Denn der Code kann bis zum 30. Juni 2023 eingelöst werden, die Reise muss dann bis zum 9. Dezember 2023 erfolgen.


Wie ist eure Meinung zu dem Thema und – was uns noch viel brennender interessiert – wo wart ihr schon überall mit Rad und Bahn?

Text: Laurenz Utech | Foto: DB
  1. benutzerbild

    BigMaaaac

    dabei seit 04/2022

    die Zersiedelumg Deutschlands auf dem Lande,
    aber auch gerade diese Mütterghettos am Stadtrand (nein, das ist noch lange kein Landleben ☝️) haben den Individualverkehr erzwungen.

    wenn ich aufm Land arbeite, kann ich das seltenst im gleichen Dorf,
    in dem ich schon lange lebe,
    es gibt Dörfer, da ist garnix mehr.

    es gibt ein paar Bäcker und Co, die mit ihren Marktwagen, die Dörfer hier anfahren,
    immerhin etwas.

    aber die Topographie zu den hier umliegenden Dörfern lässt für normal Arbeitende nur den Individualverkehr zu.
    morgens um 5 Uhr auf engen uneinsichtigen Landstrassen im Nieselregen 10 bis 20 km fahren ist ohne Kontakt zum LKW kaum möglich.

    die Infrastruktur ist hier schon immer so,
    und leider kaum änderbar.
    die sperren sich hier sogar gegen Schutzstreifen für Fussgänger an Nebenstrassen.

    man ist hier halt am Arsch der Welt,
    obwohl nicht die Weglängen,
    aber die Wegestruktur schwerfällig u unsinnig ist.

    selbst der Busverkehr ist auf den Bergstrassen, mit deren spitzen Kehren abenteuerlich.

    aber aufs Land zu ziehen,
    und in Ballungs u Industrieräumen arbeiten ist ein selbstgemachtes Problem.

    vom Land in Ballungräume ziehen beutet auch für viele hier,
    Haus u Hof aufzugeben.
    und verkauft bekommst es halt nur,
    wenns dann noch jemand haben will smilie
  2. benutzerbild

    nihola

    dabei seit 07/2022

    Ich hatte mich ein wenig gewundert, dass das 9 Euro Nahverkehrsticket deutschlandweit Gültigkeit hat. Aber wieso nicht, ich hatte jahrelang eine Bahncard 100 und da hat mich auch immer die Unkompliziertheit am meisten fasziniert.

    Da ich mit dem Rad pendel, habe ich aktuell selten Bedarf für Bahnfahrkarten. Es ergab sich aber eine Gelegenheit eine rund 350km lange Strecke von Berlin in das Weser Bergland über ein Wochenende auszutesten. Mit Auto knapp 4 Stunden, ICE ähnlich, und der Regio zwischen 5,5 und 6,5 Stunden (wenn alle Anschlüsse erreicht werden).

    Ich habe meine Fahrradtasche mitgenommen, so dass ich nicht mit dem Rad vor der Tür bleibe. Die Nebenstrecke über Magdeburg und Goslar war gut besucht, aber nicht überfüllt. Es wäre wohl auch ohne Tasche gegangen, aber nur weil ich am Freitag schon um 12 Uhr in Berlin einsteigen konnte. Um 14 Uhr kam man, wenn man nicht am Ostbahnhof eingestiegen ist, schon nicht mehr in den RE1 (auch ohne Fahrad).

    Die Regios waren nicht voller als ein typischer ICE am Freitag oder Sonntag. Eigentlich gut, dass sie so gut genutzt werden. Sonst fahren die Regios ja doch häufig relativ leer. Wenn man mit dem Ticket an die Ostsee möchte, dann eben nicht am Freitag oder Sonntag in der Ferienzeit. Aber auch ohne das Ticket würde man sich das nicht antun wollen. Dann lieber Flixbus mit reserviertem Platz.

    Das Publikum im Regio war eher jung, dh die typischen Mitfahrgelegenheit und Flixbus Fahrer. Auch einige Reisende, denen man ansah, dass sie selten reisen. Und dann ein paar versprenkelte Vielreisende, die auch das Ticket nutzen wollten.

    Grundsätzlich finde ich preiswerte Nahverkehrstickets mit einfacher Tarifstrucktur gut. Die Preise müssen so gesetzt werden, dass man sich 3x überlegt das Auto zu nehmen. Von den Fahrzeiten ist die Bahn dem Auto ja meist unterlegen. Bisher war es ja in der Regel so, dass die Bahn, kurzfristig gebucht, preislich gegenüber einem schon vorhanden Auto (man rechnet dann ja Grenzkosten, also nur den Sprit) nicht attraktiv war. Das muss sich ändern!
  3. benutzerbild

    nightwolf

    dabei seit 06/2022

    (...) Die Preise müssen so gesetzt werden, dass man sich 3x überlegt das Auto zu nehmen. (...)
    Das funktioniert nur in beide Richtungen. Das Auto muss auch richtig schmerzhaft teuer werden.
    Mit einem 'Tankrabatt' erreicht man das, was jetzt eine Untersuchung / Studie / irgendwelche schlauen Leute verlautbaren haben lassen: Das neun-Euro-Ticket generiert nur zusaetzlichen Verkehr und verlagert nix von Auto auf OePNV.
    Ich hab fuer mich mal nachgedacht und muss sagen ... Ich weiss es nicht. Ich bin Bahn gefahren statt BlaBlaCar (als Mitfahrer), aber da gibt es nun zwei Moeglichkeiten:
    (1) Es sind auch Fahrer auf die Bahn umgestiegen, dann waere es eine Verlagerung oder
    (2) Die BlablaCar Fahrer sind halt dann 'leer' gefahren, dann waere es wirklich nur Zusatz.

    Weitergehen wird es wohl eh nicht. Das Finanzministerium sagt kein Geld reserviert und Bayern sagt wir zahlen nix mehr. Ich sage, den gleichzeitigen Tankrabatt haette es nicht geben duerfen, sondern im Gegenteil gleich nochmal 30 ct drauf pro Liter, und natuerlich irgendwas wo die Elektro-Autofahrer kraeftig zur Kasse gebeten werden.
    Es gibt einfach Leute, fuer die ist das Auto das, was fuer den Junkie seine Drogen sind: Ihr ganzes Leben kreist da rum, sie werden nicht muede, Ausreden zu erfinden, warum das so sein muss. So wie der Junkie nach seinem Stoff sucht, suchen Autofahrer nach (guenstigen) Tankstellen, Parkplaetzen, ...
    Sie suchen nie nach einem Weg, ihr Leben ohne Drogen / ohne Auto in den Griff zu bekommen.
    Sie werden immer versuchen, an ihrem jeweiligen Suchtmittel festzuhalten - Abkehr erfolgt erst, wenn sie mal ganz unten angekommen sind.
    Jetzt werdet Ihr wieder das Schreien anfangen, aber mir als jemandem, der in einer Suchtklinik Zivildienst gemacht hat, fallen eben diese Parallelen sehr massiv auf 😁

    Die Idee einer Art 'bedingungslosen Grundmobilitaet', die sehr guenstig ist, finde ich auf jeden Fall gut - gibt ja auch schon seit langer Zeit Bestrebunge in dieser Richtung.
  4. benutzerbild

    RWBiker

    dabei seit 06/2022

    Mit dem Finanzminister wird es keine Verkehrwende geben. Und du hast vollkommen Recht, solange Autofahren belohnt wird, wird das Umdenken nicht stattfinden. Um meine Einstellung richtig einzusortieren: Ich bin nicht gegen das Autofahren, es hat durchaus seinen Sinn (ich fahre schließlich selbst Auto), aber 500m fahren, damit der Hund 100m laufen kann, oder mal eben schnell 400m zum Bäcker muß nicht sein. Und so kann man viele unnötige Fahrten aufzählen. Nein, Kinder müssen nicht mit dem eigenen PKW in die Schule gebracht werden, die können zu Fuß gehen oder mit dem Schulbus fahren usw. usf. Das Auto macht Sinn z.B., bei größeren Entfernungen bei schlechter Anbindung, Transport großerer Gegenstände, körperlichen Gebrechen. Genauso wie ich lieber nach Übersee fliege statt mit dem Ruderboot zu fahren und nein, Samstags nach Malle und volllaufen lassen ist nicht sinnvoll.
    So genug gerantet...
  5. benutzerbild

    Leen

    dabei seit 09/2022

    Puh, ich bin gespalten mit der Meinung zum 9Euro Ticket.. Grundsätzlich finde ich es super! Ich habe mir auch aus Prinzip jeden Monat eins gekauft, weil ich die Idee und den Mut unterstützen wollte, so etwas mal auszuprobieren. Tatsächlich bin ich aber nicht öfter mit Öffis gefahren als vorher.. Das liegt aber maßgeblich daran, dass ich FAHRRADFAHRER bin und im Sommer auch einfach lieber den Wind um die Nase und kurze Pendelzeiten habe.

    Stichwort Pendelzeiten: Solange der ÖPNV bei der Unterwegs-Dauer so eine schlechte Figur macht, bleibe ich wohl bei der Wahl: Rad oder Auto.

    Fahre ich in Hamburg mit dem Fahrrad zur Arbeit, brauche ich 20 Minuten. Die Öffis brauchen 50 Minuten! Wenn ich um 6 bei der Arbeit sein will, kann ich eine halbe Stunde länger schlafen! Das Auto braucht 15 Min. Wer fährt da freiwillig Bahn?

    Fahre ich in Hamburg zu meinen Hometrails, brauche ich 30-60 Minuten mit dem Auto (je nach Stau) und 1,5 Stunden (!!) mit den Öffis. Und mein Fahrrad darf ich zu bestimmten Zeiten leider nicht mitnehmen (Rush Hour). Und Mitnahmegarantie bei überfüllter Bahn (jedes Wochenende) gibt es natürlich auch nicht. Und wann fährt man wohl zu den Hometrails? Richtig, nach der Arbeit oder am Wochenende.

    Ergo ist das Thema ÖPNV & Rad so unattraktiv, dass ich kurze Strecken NUR mit dem Rad mache und mir lieber 20Min Regenkleidung anziehe, als 50 Minuten Bahn zu fahren und 3x umzusteigen..

    ..und lange Strecken (Hometrails, Urlaube, Kurztrips) doch leider wieder mit dem Auto und dem nervigen Stau mache weil ich a) zeitweise nicht in die Bahn darf oder b) die Bahn so voll ist, dass mein Fahrrad unter keinen Umständen rein passt und c) ich doppelt so lange unterwegs bin d) der ganze Reiseverlauf völlig ungewiss ist.



    Ähnlich geht es mir im Regionalverkehr.

    Ich bin seit letzten Winter Gravelbikebesitzer und träumte anfangs von praktischen Bahn+Bike One-Way-Ausflügen und der Hin- oder Rückfahrt mit der Bahn. Das schien mir DER Türöffner für neue Gegenden und ausgedehntere Kilometer zu sein.
    Bei intensiverer Beschäftigung mit den Mitnahmebedingungen für Fahrräder im Nahverkehr habe ich ziemlich schnell die Lust verloren. Man kann online keine Tickets kaufen. Für sich als Person kriegt man per Handy ein Ticket, fürs Fahrrad nicht.. Ob man das Fahrrad mitnehmen darf, erfährt man faktisch erst beim Einsteigen. Man muss damit rechnen, dass man wieder raus gebeten wird.

    Was soll denn die Alternative sein, wenn ich mit dem Rad zig Kilometer von zuhause weg gefahren bin und jetzt drauf angewiesen bin, mit der Bahn nach Hause zu kommen? Wie stellen die sich das vor?

    "Radreise per Bahn aber nur vielleicht.. wenn Sie keinem anderen den Platz wegnehmen.. müssen Sie dann vor Ort gucken". Wow..

    Nee danke.

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