Katerstimmung nach dem Corona-Boom
Nach Jahren der Rekordumsätze zieht Canyon die Notbremse. Das Unternehmen plant, an den Kernstandorten bis zu 320 der insgesamt rund 1.600 Stellen zu streichen. Als Gründe nennt Canyon das „grundlegend veränderte Marktumfeld“ nach dem Corona-Boom.
Laut Gründer Roman Arnold geht es darum, „Komplexität zu reduzieren“ und wieder agiler zu werden. „Im Radsport gewinnt man ein Rennen nicht durch schiere Größe, sondern durch Schnelligkeit, Präzision und Agilität“, so Arnold zur Begründung des Stellenabbaus.
Fokus auf Profitabilität statt Wachstum um jeden Preis
Der Abbau trifft das Unternehmen hart. Gespräche mit dem Betriebsrat wurden bereits aufgenommen. Arnold betont, dass der Schritt schmerzhaft sei, man den Prozess aber „so verantwortungsvoll wie möglich“ gestalten wolle. Es geht dabei nicht nur um Personalkosten, sondern um eine komplette Neuaufstellung der Kostenstruktur.
Dieser Schritt kommt nicht völlig überraschend für aufmerksame Beobachter. Erst kürzlich hatten wir den Firmengründer zum ausführlichen Gespräch, in dem die aktuellen Herausforderungen bereits Thema waren (wir berichteten: Canyon Gründer Roman Arnold im Interview: Steckt Canyon in der Krise?).
Zukunft liegt im E-Bike
Trotz des harten Sparkurses wird investiert – allerdings selektiv. Canyon will sich stärker auf profitable Segmente konzentrieren. Ein zentraler Baustein ist dabei das neue E-Bike Center am Standort Koblenz, das 2026 eröffnet werden soll. Die „Neuausrichtung“ ist also auch eine Verschiebung der Ressourcen hin zu den wachstumsstarken E-Segmenten.
Die Pressemitteilung im Original
Canyon richtet Organisation für die nächste Marktphase neu aus
Koblenz, 20. Januar 2026 – Canyon ist eine der weltweit führenden Fahrradmarken und prägt das Premiumsegment maßgeblich. Nach Jahren des rasanten Wachstums reagiert das Unternehmen jetzt auf eine grundlegend verändertes Marktumfeld und passt seine Organisations- und Kostenstruktur gezielt an, um Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Die Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Konsolidierung, während globale Faktoren wie US-Zölle, geopolitische Spannungen und gedämpfte wirtschaftliche Prognosen zusätzliche Herausforderungen schaffen.
Nach Jahren des starken Wachstums, insbesondere im Corona-Boom zwischen 2020 und 2023, sollen Komplexität reduziert und Abläufe vereinfacht werden. Roman Arnold, Gründer und Executive Chairman von Canyon: „Im Radsport gewinnt man ein Rennen nicht durch schiere Größe, sondern durch Schnelligkeit, Präzision und Agilität. Wir bilden jetzt das Fundament, um unsere operative Schlagkraft zurückzugewinnen und unsere Position an der Weltspitze zu verteidigen“, so Roman Arnold.
Canyon plant dazu auch, an den Kernstandorten bis zu 320 der insgesamt rund 1.600 Stellen abzubauen.
Roman Arnold macht deutlich wie schwer ihm persönlich dieser Schritt fällt: „Canyon ist eine gewachsene Gemeinschaft, verbunden durch die Leidenschaft für den Radsport. Es ist daher besonders schmerzhaft, dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen. Umso wichtiger ist es mir, diesen Weg so verantwortungsvoll wie möglich zu gestalten.“
Canyon hat den Betriebsrat bereits informiert und die Gespräche aufgenommen. „Für die kommenden Verhandlungen wollen wir von Anfang an ein offenes Klima zwischen allen Beteiligten schaffen“, so Roman Arnold. Ziel ist es, den Prozess transparent, fair und mit größtmöglichem Respekt vor der Leistung der betroffenen Mitarbeitenden zu gestalten.
Verbunden mit der Neuausrichtung ist, Canyon‘s DNA zu schärfen und Innovationskraft, sportliche Performance, Service und Nähe zur Bike-Community nachhaltig zu stärken. Deshalb fokussiert Canyon weiterhin strategische Wachstumsfelder, wie beispielsweise das neue E-Bike Center am Standort in Koblenz, das in 2026 eröffnet wird.
In einem Markt, der zunehmend durch E-Bikes dominiert wird, schafft Canyon so die Infrastruktur, um Kunden ein erstklassiges Produkterlebnis zu bieten. Ein klares Bekenntnis für das Engagement von Canyon, Mittel dort gezielt einzusetzen, wo sie nachhaltigen Mehrwert schaffen.
Was sagt ihr zum Stellenabbau in Koblenz?
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