Ehrlich gesagt überraschen mich diese Zahlen nicht. Ich fahre das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit, und selbst in Städten mit guter Radinfrastruktur erlebe ich fast wöchentlich gefährliche Situationen.
Letzten Winter hatte ich morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Beinaheunfall. Es war noch dunkel, es regnete leicht, überall waren reflektierende Fahrbahnmarkierungen, und die Autofahrer rasten über eine Kreuzung in der Nähe des Bahnhofs. Ich hatte Licht an, trug reflektierende Kleidung, alles. Trotzdem bog ein Fahrer direkt vor mir ein, weil er mich angeblich erst im letzten Moment „gesehen“ hatte.
Viele denken, Sichtbarkeit bedeute nur, möglichst helles Licht zu haben, aber Blendung ist auch ein Problem. Manche Fahrradlichter sind so grell, dass sie entgegenkommende Radfahrer und sogar Autofahrer blenden. Wenn die Sicht bei Nässe für alle schlecht ist, verschlechtern sich die Reaktionszeiten.
Nach diesem Vorfall bin ich auf ein Frontlicht mit Abblendlicht umgestiegen und benutze derzeit ein Magicshine HORI 1300 PRO an meinem Pendlerfahrrad. Es leuchtet die Straße gut aus, ohne die Leute direkt zu blenden, und ich habe tatsächlich weniger aggressive Reaktionen von entgegenkommenden Radfahrern und Fußgängern bemerkt.
Aber Technologie allein wird das Problem nicht lösen. Ich denke, das größere Problem ist, dass im Straßenverkehr immer noch Geschwindigkeit Vorrang vor Aufmerksamkeit hat. Dunkle Kreuzungen, abgelenkte Fahrer, schlecht gestaltete Radwege und aggressives Überholen führen zu Situationen, in denen ein kleiner Fehler tödlich sein kann.
Jedes Mal, wenn ich solche Statistiken lese, denke ich darüber nach, wie normal diese Beinaheunfälle für Radfahrer geworden sind. Das ist das Beängstigende daran.